Ende des Kastenstands – Ein wichtiger Schritt für artgerechte Tierhaltung

3. Juli 2020

Tierschutz ist eine Frage der Haltung. In der letzten Sitzung vor der Sommerpause hat der Bundesrat mit der Stimme Thüringens die Abschaffung der Kastenstände besiegelt und somit für mehr Tiergerechtigkeit in der Sauenhaltung gestimmt. Nach jahrelanger Blockade von CDU/ CSU leiten wir damit einen Systemwandel im Tierschutz ein. Wir Bündnisgrüne setzen uns schon lange dafür ein, dass Sauen in Gruppen leben können und obwohl wir uns eine noch kürzere Übergangszeit gewünscht hätten, ist das auf lange Sicht ein wichtiger erster Schritt. Unser langes Ringen um die Verordnung hat sich gelohnt.

Systemwechsel in der Tierhaltung

Bisher verbrachten Sauen bis zu 150 Tage im Kastenstand – dort können sie sich nicht hinlegen, sich nicht ausstrecken, nicht richtig schlafen. Das ändert sich jetzt mit dem Kompromiss: Nach Ablauf der Übergangsfristen dürfen Sauen nur noch einige Tage im Jahr im Kastenstand gehalten werden.  In der restlichen Zeit müssen die Tiere nun in Gruppen gehalten werden.

Übergangszeit und finanzielle Unterstützung für bessere Sauenhaltung

Nach einer Übergangsfrist von bis zu 8 Jahren muss der Kastenstand abgeschafft sein. Wir konnten die von der Bundesregierung geplante Frist von bis zu 17 Jahren auf 8 herabsetzen, hätten uns aber natürlich eine noch kürzere Übergangsfrist gewünscht.

Eine Übergangszeit ist notwendig, um den Umbau vom Kastenstand auf eine Gruppenhaltung umzusetzen – das schaffen Betriebe nicht von heute auf morgen. Aber: Sie müssen den Systemwechsel angehen und das wird auch überprüft. Wer nach spätestens drei Jahren kein Umbaukonzept und nach fünf Jahren einen Bauantrag vorweisen kann, muss die Sauenhaltung einstellen. Zugleich werden die Betriebe bei diesem Umbau unterstützt und damit hat die regionale Schweinehaltung eine Zukunft. Für den Umbau zur Gruppenhaltung wird ein Förderprogramm von insgesamt 300 Millionen Euro aufgelegt.

Nur der erste Schritt zur artgerechten Tierhaltung

Dennoch bleibt es ein Kompromiss, der auch schmerzliche Zugeständnisse enthät. Wir hätten uns insbesondere kürzere Übergangsfristen gewünscht. Trotz aller Kritik, wertet auch der Deutsche Tierschutzbund das Ergebnis als Erfolg. Viele weitere Schritte müssen folgen und es bleibt viel zu tun: bessere Haltungsbedingungen nicht nur für Schweine, sondern überall in der Tierhaltung, eine klare und verbindliche Haltungskennzeichnung und eine dauerhafte Finanzierung des Umbaus. Wir Bündnisgrüne werden auch künftig für bessere Haltungsbedingungen aller Tiere, die Vermeidung von Tiertransporten und die Abkehr von industrieller Massentierhaltung streiten.