Kandidatur für den Bundesvorsitz des BUND
Liebe Mitglieder des Bundesvorstands,
sehr geehrte Ehrenvorsitzende,
liebe Landesvorsitzende und Landesgeschäftsführungen,
liebe Mitglieder des wissenschaftlichen Beirats,
liebe Mitglieder,
Natur- und Umweltschutz stehen derzeit so stark unter Druck wie seit den Neunzigerjahren nicht mehr – politisch, gesellschaftlich und finanziell. Gleichzeitig erleben wir wachsende Angriffe auf unsere Demokratie und besonders auf zivilgesellschaftliche Akteure wie den BUND. Das bewegt mich – und treibt mich an.
Gerade jetzt, im 50. Jahr seit Gründung, kommt es mehr denn je auf den BUND an. In einer Zeit, in der ökologische Errungenschaften infrage gestellt und demokratische Prozesse angegriffen werden, braucht unser Verband eine Führung, die politische Erfahrung, strategische Klarheit und Entschlossenheit für die Sache verbindet – und gemeinsam mit allen Gremien wirksam handelt: für den Schutz unserer Lebensgrundlagen und für eine starke Demokratie. Nach vielen Gesprächen, verschiedenen Anfragen und reiflicher Abwägung möchte ich Euch und Sie heute informieren: Ich kandidiere für den Bundesvorsitz des BUND – mit klarem Plan für Natur‑ und Klimaschutz, Kreislaufwirtschaft und starken Verbänden
Ich bringe fast zwei Jahrzehnte Erfahrung aus der politischen Praxis mit – als Umweltministerin und stellvertretende Ministerpräsidentin in Thüringen. Besonders prägend waren für mich die Jahre, in denen wir gemeinsam mit dem BUND große Naturschutzprojekte verwirklicht haben. Es ist dem BUND, insbesondere Prof. Dr. Hubert Weiger und Dr. Kai Frobel, zu verdanken, dass sich das Grüne Band mitten in Europa vom Todesstreifen zur Lebenslinie entwickeln konnte. Für mich persönlich, in Ostdeutschland geboren und aufgewachsen, steht es heute für Frieden, Freiheit und Biodiversität.
Als Thüringische Umweltministerin habe ich mich deshalb in einem vierjährigen intensiven Prozess gemeinsam mit ihnen und vielen Beteiligten entlang von 763 Kilometern Landesgrenze für das Grüne Band eingesetzt. Am Ende stand die große Unterstützung vor Ort und die übergroße parlamentarische Mehrheit: Seit dem Jahr 2019 ist das Grüne Band in Thüringen Nationales Naturmonument, in Verbindung mit der Stiftung Naturschutz pflegen und entwickeln es zahlreiche Gebietsbetreuende weiter und es ist Kandidat als UNESCO-Welterbe! Auch viele weitere Fortschritte im Natur- und Umweltschutz konnten wir erreichen – vom bundesweit einzigartigen Natura-2000-Stationennetzwerk bis zum Thüringer Klimagesetz, das Klimaschutz mit konkreter Unterstützung für Kommunen verbunden hat. Kurzum: Wenn politischer Wille, regionale Expertise, starke Bündnisse und engagiertes Ehrenamt zusammenwirken, entsteht Bleibendes. Meine Erfahrung und politische Kompetenz möchte ich nun in den BUND als überparteilichen Verband einbringen.
Ich habe in der Politik im Land und im Bund viel erreicht. Doch ein ganzes Leben in der Politik konnte ich mir nie vorstellen. Deshalb habe ich mich vor drei Jahren bewusst entschieden, neue Wege zu gehen. Als geschäftsführende Präsidentin eines großen Wirtschaftsverbandes in Berlin – des BDE e.V. – habe ich mich dafür eingesetzt, wirtschaftliches Handeln und ökologische Verantwortung stärker zusammen zu denken. Nur mit mehr Ressourceneffizienz werden wir schließlich die Klimakrise lösen. Voraussetzung dafür war Überparteilichkeit – ebenso wie in meiner ehrenamtlichen Arbeit als Präsidentin des Deutschen Evangelischen Kirchentages. In Hannover ist es uns 2025 gelungen, Menschen aus Politik, Wissenschaft, Wirtschaft und Zivilgesellschaft zusammenzubringen und Räume für Austausch in aufgeheizten Zeiten zu schaffen. Mut zum Widerspruch und Klarheit in der Sache stärken unser Gemeinwesen.
Alle drei Ebenen – Politik, Wirtschaft und Ehrenamt – haben mich gelehrt, wie komplexe Organisationen verlässlich geführt werden, wie aus Verantwortung Entscheidungen entstehen und wie Zukunftsmut wachsen kann. Genau diese Kombination – politische Durchsetzungskraft, wirtschaftliche Realitätsnähe und zivilgesellschaftliche Verwurzelung – möchte ich als Vorsitzende in den BUND einbringen: nicht als Programm von oben, sondern als Angebot zur gemeinsamen Arbeit.
Meine inzwischen erwachsenen Kinder erinnern mich täglich daran, dass sie eine lebenswerte Zukunft auf einem gesunden Planeten verdienen. Auch sie fragen sich – wie so viele andere –, wo die Energie der großen Klimabewegung geblieben ist: diese Kraft aus Dringlichkeit, Mut und der Gewissheit, dass Veränderung möglich ist. Ich bin sicher: Diese Kraft ist nicht verschwunden. Sie braucht Orte, an denen sie ernst genommen, gehört und politisch wirksam werden kann. Und sie braucht einen Verband mit klaren Positionen: lebendig, kraftvoll und deutlich in der Sache. Der BUND kann und sollte ein solcher Ort sein – offen, zugewandt und klar in seiner Haltung. Damit wir gesellschaftlichen Druck wieder stärken und mehr Menschen für Natur- und Umweltschutz gewinnen.
Der BUND lebt von den Menschen, die sich Tag für Tag mit großem Engagement für Natur und Umwelt einsetzen. Dieses Ehrenamt ist das Fundament unseres Verbandes. Es verdient Sichtbarkeit, Wertschätzung und die bestmögliche Unterstützung durch starke hauptamtliche Strukturen. Besondere Aufmerksamkeit verdienen die Ortsverbände, wo praktischer Naturschutz und die Naturschätze der Heimat erfahrbar werden.
Ehrenamt wirkt immer konkret: Der Evangelische Kirchentag 2025 in Hannover war nur möglich, weil 4.000 Ehrenamtliche gemeinsam Verantwortung übernommen haben – Schülerinnen und Schüler, Studierende, Berufstätige, Seniorinnen und Senioren, jung und alt aus der Fridays-Bewegung. Das hat mir erneut gezeigt, welches Potenzial entsteht, wenn Haupt- und Ehrenamt gemeinsam an einem Ziel arbeiten.
Und schon in wenigen Tagen werde ich als ehrenamtliche Vizepräsidentin des Deutschen Kinderhilfswerks den aktuellen Kinderreport in der Bundespressekonferenz in Berlin vorstellen, der die Dringlichkeit der Chancengerechtigkeit in unserem Land auf andere Art deutlich macht: Nie zuvor hingen die Teilhabe-Chancen von Kindern und Jugendlichen stärker vom Elternhaus ab, als heute. Die Zukunftschancen von Kindern beschäftigen mich seit jeher doppelt: in ökologischer und sozialer Hinsicht. Daher kenne ich die Bedeutung des Ehrenamts aus Sicht derer, die gesellschaftlichen Druck machen müssen, nur zu gut.
Als Vorsitzende des BUND möchte ich dazu beitragen, dass der Verband in gesellschaftlichen Debatten sichtbar, wirksam und noch einflussreicher wird. Denn nur wenn der Druck aus der Gesellschaft wächst, werden ökologische Interessen wieder stärker gehört – für mehr und nicht weniger wirkungsvollen Naturschutz, für klimafreundliche und naturschützende Energie und für nachhaltiges Wirtschaften. Die Voraussetzungen dafür sind gut: starke Landesverbände, engagierte Mitglieder und hohe fachliche Kompetenz. Welche Schwerpunkte wir dafür gemeinsam setzen – das möchte ich im Gespräch mit Ihnen/Euch entwickeln. Was ich mitbringe, ist die Überzeugung, dass wir die richtigen Themen haben. Was wir noch stärken können, ist die Kraft, sie durchzusetzen. Ich möchte an Ihrer/Eurer Seite dafür arbeiten und eine Verbandskultur stärken, in der unterschiedliche Perspektiven Gehör finden, Zielkonflikte konstruktiv ausgetragen und gemeinsame Lösungen entwickelt werden.
Der Kampf gegen den Abbau von Umweltstandards ist unser Kampf. Die fossile Abhängigkeit zu überwinden, ist unsere Aufgabe. Und unsere Demokratie zu schützen, ist BUND DNA – indem wir Menschen für unsere Anliegen gewinnen und mit klarer Haltung Orientierung geben. Ich weiß, dass gerade für den BUND die Überparteilichkeit und die finanzielle Unabhängigkeit von zentraler Bedeutung sind. Ich unterstütze diese Ziele persönlich voll und ganz und werde mich bei meiner Wahl diesen Zielen widmen.
Ich freue mich auf den Austausch mit Ihnen und Euch und komme gerne in Landesvorstände, Delegiertenversammlungen oder Gremiensitzungen, um meine Motivation und meine Vorstellungen persönlich vorzustellen. Unter anja.siegesmund@t-online.de bin ich gut erreichbar.
Für heute grüße ich herzlich in diese angehende Pfingstwoche und empfehle, wer sich auf den Weg Richtung Osten macht, das älteste Naturschutzgebiet Thüringens in den nächsten Tagen zu besuchen. Hier im Leutratal vor den Toren Jenas gedeihen prächtigste Bockriemenzungen, Knabenkraut und das Weiße Waldvögelein und mit etwas Glück lässt sich der Neuntöter entdecken und hören.
Ihre und Eure,
Anja Siegesmund
BUND Kreisverband Jena / BUND Landesverband Thüringen